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Lerntechniken

Die Feynman-Methode: So merkst du, ob du etwas wirklich verstanden hast

Vier Schritte, die Verständnislücken schneller aufdecken als das x-te Durchlesen deiner Notizen - mit einem Beispiel aus der Mathematik.

· 2 Min. Lesezeit

Du kannst eine Definition auswendig aufsagen und sie trotzdem nicht verstehen. Diese Methode ist nach dem Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman benannt, der dafür bekannt war, schwierige Dinge anschaulich zu erklären. Mit ihr merkst du schnell, ob du etwas nur auswendig weißt oder wirklich verstanden hast.

Schritt 1: Such dir einen Begriff aus

Schreib ihn oben auf ein leeres Blatt. Nur einen, und zwar einen konkreten: „Ableitung“, „Fotosynthese“ oder „Nachfrage“, nicht „die ganze Analysis“.

Schritt 2: Erklär ihn so einfach, wie du kannst

Schreib so, als würden Leute mitlesen, die nicht in deinem Kurs oder Studiengang sind. Ohne Fachjargon und ohne die Definition aus dem Lehrbuch abzuschreiben. Wenn du ein schwieriges Wort brauchst, erklär auch dieses.

Schritt 3: Finde die Lücken

Die Stellen, an denen du ins Stocken gerätst, mit „und dann klappt das irgendwie“ abkürzt oder doch wieder zur Formulierung aus dem Lehrbuch greifst, zeigen genau, was du noch nicht verstanden hast. Geh nur für diese Stellen zurück zu deinen Unterlagen - und schreib die Erklärung danach noch einmal von vorn.

Schritt 4: Vereinfache und such ein Beispiel

Kürze deine Sätze, finde einen Vergleich aus dem Alltag und ein konkretes Beispiel. Wenn du den Begriff an einem Beispiel erklären kannst, das nicht in deinen Notizen stand, ist das ein gutes Zeichen, dass du ihn wirklich verstanden hast.

Beispiel: die Ableitung

Erste Fassung: „Die Ableitung ist der Grenzwert des Differenzenquotienten.“ Richtig, aber erklärt wird damit nichts.

Nach ein paar Überarbeitungen: „Die Ableitung sagt dir, wie schnell sich eine Funktion an einer bestimmten Stelle ändert. Denk an den Tacho im Auto: Der zurückgelegte Weg hängt von der Zeit ab, und die Geschwindigkeit, die der Tacho gerade anzeigt, ist die Ableitung des Weges nach der Zeit. Im Graphen ist die Ableitung die Steigung der Tangente - je steiler die Tangente, desto schneller ändert sich die Funktion.“

Die zweite Erklärung zeigt, dass du weißt, wozu es die Definition überhaupt gibt. Wenn du das Thema Schritt für Schritt durcharbeiten willst, schau dir den Kurs Ableitungen von Grund auf an.

Quellen

Die Fakten auf dieser Seite haben wir anhand dieser Quellen geprüft. Alle dürfen frei weiterverwendet werden: Sie stehen unter einer offenen Lizenz oder sind urheberrechtlich nicht geschützt.

  1. Unterrichtswissenschaft - T. Leuders & K. Loibl (2025): Üben im Mathematikunterricht (Selbsterklärungen und eigene Beispiele generieren vertieft das Verständnis) · CC BY 4.0
  2. Unterrichtswissenschaft - J. Roelle, T. Endres & A. Renkl (2021): Wie können Abrufübungen (nicht) für das Lernen in Schule und Hochschule relevant gemacht werden? (beim Abrufen aus dem Gedächtnis treten Wissenslücken deutlich zutage) · CC BY 4.0
  3. ZUM-Unterrichten - Einführung in die Differentialrechnung: Der Differentialquotient (Grenzwert des Differenzenquotienten, momentane Änderungsrate, Tangentensteigung, Momentangeschwindigkeit) · CC BY-SA 4.0
  4. Serlo - Einführung der Ableitung (der Tacho zeigt die momentane Geschwindigkeit; von der Sekante zur Tangente) · CC BY-SA 4.0
  5. Wikibooks - Mathe für Nicht-Freaks: Ableitung und Differenzierbarkeit (Ableitung als momentane Änderungsrate und als Tangentensteigung; Geschwindigkeit als Änderungsrate des Ortes nach der Zeit) · CC BY-SA 4.0
  6. Wikipedia - Richard Feynman (Physiker, Nobelpreis 1965; wollte die Quantenphysik für Laien und Studierende verständlich machen) · CC BY-SA 4.0