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DE - Sprache: Deutsch
MathematikOberstufe

Hypothesentest und p-Wert - Signifikanztests Schritt für Schritt erklärt

· 18 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ein Hypothesentest prüft, ob ein Ergebnis überraschend wäre, wenn nichts Besonderes dahintersteckt - das ist die Nullhypothese H₀. Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, unter H₀ ein mindestens so extremes Ergebnis wie das beobachtete zu erhalten. Ist p ≤ α (das vorher festgelegte Signifikanzniveau, oft 0,05), wird H₀ verworfen. Sonst wird H₀ nicht verworfen - bewiesen ist sie damit aber nicht.

Wichtige Begriffe

Nullhypothese H₀
Die Annahme, von der der Test ausgeht - meist „kein Effekt“ oder „reiner Zufall“, etwa p = 0,5 für jemanden, der nur rät.
Gegenhypothese H₁
Was man stattdessen vermutet, etwa p > 0,5.
Testgröße
Eine aus der Stichprobe berechnete Zahl, auf der die Entscheidung beruht, etwa die Anzahl der Treffer.
p-Wert
Die Wahrscheinlichkeit, unter der Annahme von H₀ ein mindestens so extremes Ergebnis wie das beobachtete zu erhalten.
Signifikanzniveau α
Die vor dem Test festgelegte Schranke - H₀ wird verworfen, wenn p ≤ α gilt. Üblich ist 0,05.
Fehler 1. und 2. Art
H₀ verwerfen, obwohl sie wahr ist (Fehler 1. Art), und H₀ nicht verwerfen, obwohl sie falsch ist (Fehler 2. Art).

Was meinst du?

Lena behauptet, sie schmeckt den Unterschied zwischen Leitungswasser und Mineralwasser. In einem Blindtest erkennt sie bei 1515 von 2020 Bechern das Wasser richtig. Wie oft würde jemand, der nur rät, ein mindestens so gutes Ergebnis erreichen?

Die Idee: War es nur Glück?

Lena behauptet, sie schmeckt den Unterschied zwischen Leitungswasser und Mineralwasser. Um das zu prüfen, füllt eine Freundin 2020 Becher, jeden zufällig mit dem einen oder dem anderen Wasser. Lena sieht nicht, was in welchem Becher ist, und sagt bei jedem Becher, welches Wasser sie trinkt. Sie liegt 1515-mal richtig.

Beweist das, dass sie einen feinen Geschmack hat? Noch nicht. Wer nur rät, trifft bei jedem Becher mit Wahrscheinlichkeit 12\frac{1}{2} und kann auch Glück haben. Die Frage lautet also: Wenn Lena nur raten würde, wie überraschend wären dann 1515 Treffer?

Auf dieser Frage beruht jeder Hypothesentest:

  • Wir nehmen an, dass nichts Besonderes dahintersteckt - das ist die Nullhypothese H0H_0 (hier: Lena rät).
  • Wir berechnen, wie wahrscheinlich unter dieser Annahme ein mindestens so extremes Ergebnis wie das beobachtete wäre - das ist der p-Wert.
  • Ist diese Wahrscheinlichkeit sehr klein, fällt es schwer, weiter an die Annahme zu glauben, und wir verwerfen sie.

Ein kleiner p-Wert sagt nicht, dass Lena die Wassersorten sicher unterscheiden kann. Er sagt nur, dass bloßes Raten selten zu so einem Ergebnis führt. Der Statistiker Ronald Fisher hat das Testen von Hypothesen mit einer ähnlichen Geschichte erklärt: von einer Dame, die behauptete, sie schmecke, ob zuerst der Tee oder die Milch in die Tasse gegossen wurde.

Raten oder Schmecken? Der Test Schritt für Schritt

Geh die Animation mit den Knöpfen oder den Pfeiltasten Schritt für Schritt durch. Zuerst siehst du Lenas 2020 Becher, danach die Ergebnisse von 10001000 Personen, die nur raten und denselben Test machen (simuliert am Computer).

die Testerin: 15 von 20 richtig

Schritt 1 von 7
Schritte der Animation. Mit den Pfeiltasten wechselst du zwischen den Schritten.

Der Blindtest: 20 Becher, jeder zufällig mit Leitungswasser oder Mineralwasser gefüllt. Ein Haken heißt, dass Lena das Wasser richtig erkannt hat. Sie hatte 15 von 20 richtig.

Der Test kann sich auf zwei Arten irren. Rät Lena, landet sie trotzdem mit Wahrscheinlichkeit 0,0210{,}021 im Ablehnungsbereich - dann verwerfen wir eine wahre H0H_0, ein Fehler 1. Art. Kann sie die Wassersorten wirklich unterscheiden, hat sie vielleicht trotzdem weniger als 1515 Treffer - ein Fehler 2. Art. Bei gleichem α macht ein längerer Test mit mehr Bechern diesen zweiten Fehler unwahrscheinlicher.

Probier es aus: Becher, Treffer und α

Mit den Schiebereglern stellst du die Anzahl der Becher nn und die Anzahl der Treffer kk ein. Die Balken zeigen, wie wahrscheinlich jedes Ergebnis für jemanden ist, der nur rät; die ausgefüllten Balken ergeben zusammen den p-Wert P(X≥k)P(X \ge k). Wähle α, dann siehst du den Ablehnungsbereich und die Entscheidung. Teste anschließend ein paar hundert Ratende und vergleiche den Anteil derer mit kk oder mehr Treffern mit dem p-Wert.

5101520Ablehnungsbereich
n = 20
k = 15
Signifikanzniveau α
p-Wert = P(X ≥ k)
0,021
Ablehnungsbereich
X ≥ 15
Entscheidung
H₀ wird verworfen

getestete Ratende: 0

Darauf kannst du achten:

  • bei n=20n = 20 ergibt k=15k = 15 den Wert p=0,021p = 0{,}021, aber k=14k = 14 schon p=0,058p = 0{,}058 - mehr als 0,050{,}05,
  • derselbe Trefferanteil wiegt in einem längeren Test schwerer: 66 von 88 Bechern ergibt p=0,145p = 0{,}145, 1515 von 2020 ergibt p=0,021p = 0{,}021 und 3030 von 4040 ergibt p=0,001p = 0{,}001,
  • ein kleineres α verkleinert den Ablehnungsbereich: bei n=20n = 20 und α=0,01\alpha = 0{,}01 ist er X≥16X \ge 16, 1515 Treffer würden also nicht mehr reichen,
  • bei nur 55 Bechern und α=0,01\alpha = 0{,}01 gibt es gar keinen Ablehnungsbereich: Selbst 55 von 55 ergibt p=0,031p = 0{,}031,
  • je mehr Ratende du testest, desto näher kommt der Anteil derer mit kk oder mehr Treffern dem p-Wert.

Die Definition

Hypothesen. Ein Hypothesentest stellt zwei Aussagen einander gegenüber. Die Nullhypothese H0H_0 ist die Annahme, von der wir ausgehen - meist „kein Effekt“ oder ein bestimmter Wert, etwa p=0,5p = 0{,}5 oder μ=1000\mu = 1000 g. Die Gegenhypothese H1H_1 ist das, was wir stattdessen vermuten, etwa p>0,5p > 0{,}5, μ<1000\mu < 1000 g oder μ≠500\mu \ne 500 ml.

Testgröße. Eine aus der Stichprobe berechnete Zahl, etwa die Trefferzahl XX. Wir müssen wissen, wie sie verteilt ist, wenn H0H_0 gilt. Ist jeder von nn unabhängigen Versuchen mit Wahrscheinlichkeit p0p_0 ein Treffer, so ist die Trefferzahl binomialverteilt:

X∼B(n;p0)X \sim B(n; p_0)

p-Wert. Die Wahrscheinlichkeit, unter der Annahme von H0H_0 für die Testgröße einen mindestens so extremen Wert wie den beobachteten zu erhalten - extrem in der Richtung, die H1H_1 vorgibt. Für H1:p>p0H_1: p > p_0 und kk Treffer ist

p=P(X≥k).p = P(X \ge k).

Signifikanzniveau und Entscheidung. Bevor wir die Daten ansehen, legen wir das Signifikanzniveau α\alpha fest. Üblich ist 0,050{,}05; auch 0,010{,}01 und 0,10{,}1 kommen vor. Dann gilt:

  • Ist p≤αp \le \alpha, wird H0H_0 zugunsten von H1H_1 verworfen - das Ergebnis ist statistisch signifikant.
  • Ist p>αp > \alpha, wird H0H_0 nicht verworfen. Bewiesen ist H0H_0 damit nicht: Die Daten sprechen nur nicht deutlich genug gegen sie.

Ablehnungsbereich. Die Werte der Testgröße, bei denen H0H_0 verworfen wird; die übrigen bilden den Annahmebereich. Beim Bechertest mit n=20n = 20 und α=0,05\alpha = 0{,}05 ist der Ablehnungsbereich X≥15X \ge 15, denn P(X≥15)=0,021≤0,05P(X \ge 15) = 0{,}021 \le 0{,}05, aber P(X≥14)=0,058>0,05P(X \ge 14) = 0{,}058 > 0{,}05. H0H_0 zu verwerfen heißt also: Die Testgröße liegt im Ablehnungsbereich.

Zwei Arten von Fehlern.

  • Ein Fehler 1. Art bedeutet, H0H_0 zu verwerfen, obwohl sie wahr ist. Seine Wahrscheinlichkeit, die Irrtumswahrscheinlichkeit, ist höchstens α\alpha: Das Signifikanzniveau ist die vorgegebene Obergrenze dafür. Beim Bechertest beträgt sie P(X≥15)=0,021P(X \ge 15) = 0{,}021.
  • Ein Fehler 2. Art bedeutet, H0H_0 nicht zu verwerfen, obwohl sie falsch ist. Seine Wahrscheinlichkeit heißt β\beta, und 1−β1 - \beta ist die Güte des Tests - in der Animation 0,8040{,}804 für jemanden, der 44 von 55 Bechern trifft.

Einseitige und zweiseitige Tests. Bei H1:p>p0H_1: p > p_0 (rechtsseitig) oder H1:μ<μ0H_1: \mu < \mu_0 (linksseitig) ist der Test einseitig: Als extrem zählen nur Ergebnisse, die in eine Richtung weit abweichen. Bei H1:μ≠μ0H_1: \mu \ne \mu_0 ist er zweiseitig: Es zählen Abweichungen in beide Richtungen. Ist die Testgröße symmetrisch verteilt, wie zz unten, so ist der zweiseitige p-Wert doppelt so groß wie die Fläche eines Randes.

Test für den Erwartungswert (Gauß-Test). Ist die Standardabweichung σ\sigma bekannt, berechnet man aus dem Mittelwert xˉ\bar{x} einer Stichprobe vom Umfang nn die Testgröße, die ihn mit μ0\mu_0 vergleicht:

z=xˉ−μ0σ/nz = \frac{\bar{x} - \mu_0}{\sigma / \sqrt{n}}

Der Nenner σ/n\sigma/\sqrt{n} ist der Standardfehler des Mittelwerts: Mittelwerte von Stichproben schwanken weniger als einzelne Werte. Gilt H0H_0 und ist das Merkmal normalverteilt, so ist zz standardnormalverteilt mit N(0;1)N(0; 1), und der p-Wert ergibt sich aus der Tabelle von Φ(z)=P(Z<z)\Phi(z) = P(Z < z). Ist σ\sigma unbekannt und wird aus der Stichprobe geschätzt, verwendet man den t-Test.

zz Φ(z)\Phi(z)
0,40{,}4 0,65540{,}6554
1,6451{,}645 0,95000{,}9500
1,81{,}8 0,96410{,}9641
1,961{,}96 0,97500{,}9750
22 0,97720{,}9772
2,3262{,}326 0,99000{,}9900
2,5762{,}576 0,99500{,}9950

Bei α=0,05\alpha = 0{,}05 verwirft ein einseitiger Test H0H_0 also für z≥1,645z \ge 1{,}645 (oder z≤−1,645z \le -1{,}645 bei H1:μ<μ0H_1: \mu < \mu_0), ein zweiseitiger für z≥1,96z \ge 1{,}96 oder z≤−1,96z \le -1{,}96. Bei α=0,01\alpha = 0{,}01 liegen die Grenzen bei 2,3262{,}326 und 2,5762{,}576.

Beispiel 1: ein Hund und zwei Kisten

Ein Hund lernt, ein Leckerli zu erschnüffeln. In jedem von 1010 Durchgängen wird das Leckerli zufällig in einer von zwei Kisten versteckt, und der Hund wählt 99-mal die richtige Kiste. Teste auf dem Signifikanzniveau 0,050{,}05, ob der Hund besser ist, als der Zufall erklären würde.

Schritt 1. Hypothesen aufstellen

Ein Hund, der nur rät, wählt die richtige Kiste mit Wahrscheinlichkeit 12\frac{1}{2}; wir vermuten, dass er besser ist.

H0:p=0,5H1:p>0,5\begin{aligned} H_0&: p = 0{,}5 \\ H_1&: p > 0{,}5 \end{aligned}

Schritt 2. Testgröße festlegen

Die Testgröße ist die Anzahl XX der richtigen Wahlen. Gilt H0H_0, ist sie binomialverteilt.

X∼B(10;0,5)X \sim B(10; 0{,}5)

Schritt 3. Den p-Wert als Summe schreiben

Mindestens so extrem wie 99 Treffer sind 99 und 1010 Treffer.

p=P(X=9)+P(X=10)p = P(X = 9) + P(X = 10)

Schritt 4. Die beiden Wahrscheinlichkeiten berechnen

Jede Folge von 1010 Wahlen hat die Wahrscheinlichkeit 0,510=110240{,}5^{10} = \frac{1}{1024}. Genau 99 Treffer sind auf (109)=10\binom{10}{9} = 10 Arten möglich, 1010 Treffer nur auf eine.

P(X=9)=101024P(X=10)=11024\begin{aligned} P(X = 9) &= \frac{10}{1024} \\ P(X = 10) &= \frac{1}{1024} \end{aligned}

Schritt 5. Addieren

Wir addieren die beiden Wahrscheinlichkeiten.

p=101024+11024=111024≈0,0107\begin{aligned} p &= \frac{10}{1024} + \frac{1}{1024} \\ &= \frac{11}{1024} \\ &\approx \boxed{0{,}0107} \end{aligned}

Schritt 6. Mit dem Signifikanzniveau vergleichen

Wir vergleichen den p-Wert mit α=0,05\alpha = 0{,}05.

0,0107≤0,050{,}0107 \le 0{,}05

Antwort

p≈0,011≤0,05p \approx 0{,}011 \le 0{,}05, also wird H0H_0 verworfen. Auf dem Signifikanzniveau 0,050{,}05 wählt der Hund die richtige Kiste öfter, als bloßes Raten erklären würde.

Beispiel 2: Füllt die Maschine zu wenig Mehl ab?

Eine Maschine soll Packungen mit durchschnittlich 10001000 g Mehl füllen; die Standardabweichung der Masse beträgt σ=5\sigma = 5 g. Eine Prüferin wiegt 2525 Packungen und erhält den Mittelwert xˉ=998\bar{x} = 998 g. Teste auf dem Signifikanzniveau 0,050{,}05, ob die Maschine im Mittel zu wenig abfüllt. Fiele die Entscheidung bei 0,010{,}01 genauso aus?

Schritt 1. Hypothesen aufstellen

Wir vermuten einen Erwartungswert unter 10001000 g, der Test ist also linksseitig.

H0:μ=1000H1:μ<1000\begin{aligned} H_0&: \mu = 1000 \\ H_1&: \mu < 1000 \end{aligned}

Schritt 2. Den Standardfehler berechnen

Wir teilen die Standardabweichung durch die Wurzel aus dem Stichprobenumfang.

σn=525=1\frac{\sigma}{\sqrt{n}} = \frac{5}{\sqrt{25}} = \boxed{1}

Schritt 3. z berechnen

Wir zählen, wie viele Standardfehler der Stichprobenmittelwert von 10001000 g entfernt ist.

z=998−10001=−2\begin{aligned} z &= \frac{998 - 1000}{1} \\ &= \boxed{-2} \end{aligned}

Schritt 4. Den p-Wert bestimmen

Extrem sind hier kleine Mittelwerte, wir brauchen also die Fläche links von −2-2. Die Tabelle liefert Φ(2)=0,9772\Phi(2) = 0{,}9772.

p=Φ(−2)=1−Φ(2)=1−0,9772=0,0228\begin{aligned} p &= \Phi(-2) \\ &= 1 - \Phi(2) \\ &= 1 - 0{,}9772 \\ &= 0{,}0228 \end{aligned}

Schritt 5. Mit beiden Niveaus vergleichen

Wir vergleichen den p-Wert mit α=0,05\alpha = 0{,}05 und mit α=0,01\alpha = 0{,}01.

0,0228≤0,050,0228>0,01\begin{aligned} 0{,}0228 &\le 0{,}05 \\ 0{,}0228 &> 0{,}01 \end{aligned}

Antwort

p≈0,0228p \approx 0{,}0228. Auf dem Niveau 0,050{,}05 wird H0H_0 verworfen: Die Maschine füllt im Mittel zu wenig ab. Auf dem Niveau 0,010{,}01 wird H0H_0 nicht verworfen - die Entscheidung hängt von α ab, deshalb legt man α vor dem Test fest.

Jetzt du

Auf Saftflaschen stehen 500500 ml, und die Abfüllmaschine hat die Standardabweichung σ=6\sigma = 6 ml. Eine Stichprobe von 3636 Flaschen hat den Mittelwert xˉ=501,8\bar{x} = 501{,}8 ml. Teste auf dem Signifikanzniveau 0,050{,}05, ob der Erwartungswert von 500500 ml abweicht - egal in welche Richtung.

Hinweisanzeigen

Der Test ist zweiseitig: H1:μ≠500H_1: \mu \ne 500. Berechne den Standardfehler und zz, dann p=2⋅(1−Φ(z))p = 2 \cdot (1 - \Phi(z)) für ein positives zz. Aus der Tabelle: Φ(1,8)=0,9641\Phi(1{,}8) = 0{,}9641.

Lösungversuch es zuerst selbst

Schritt 1. Hypothesen aufstellen

Ein zu großer und ein zu kleiner Erwartungswert wären beide wichtig, der Test ist also zweiseitig.

H0:μ=500H1:μ≠500\begin{aligned} H_0&: \mu = 500 \\ H_1&: \mu \ne 500 \end{aligned}

Schritt 2. Den Standardfehler berechnen

Wir teilen die Standardabweichung durch die Wurzel aus dem Stichprobenumfang.

σn=636=1\frac{\sigma}{\sqrt{n}} = \frac{6}{\sqrt{36}} = \boxed{1}

Schritt 3. z berechnen

Wir zählen, wie viele Standardfehler der Stichprobenmittelwert von 500500 ml entfernt ist.

z=501,8−5001=1,8\begin{aligned} z &= \frac{501{,}8 - 500}{1} \\ &= \boxed{1{,}8} \end{aligned}

Schritt 4. Die Fläche eines Randes bestimmen

Die Fläche rechts von 1,81{,}8 berechnen wir mit dem Tabellenwert.

P(Z≥1,8)=1−0,9641=0,0359\begin{aligned} P(Z \ge 1{,}8) &= 1 - 0{,}9641 \\ &= 0{,}0359 \end{aligned}

Schritt 5. Verdoppeln

Im zweiseitigen Test wäre ein Mittelwert, der genauso weit unter 500500 ml liegt, ebenso extrem; es zählen also beide Ränder.

p=2⋅0,0359=0,0718\begin{aligned} p &= 2 \cdot 0{,}0359 \\ &= 0{,}0718 \end{aligned}

Schritt 6. Mit dem Signifikanzniveau vergleichen

Wir vergleichen den p-Wert mit α=0,05\alpha = 0{,}05.

0,0718>0,050{,}0718 > 0{,}05

Antwort

p≈0,072>0,05p \approx 0{,}072 > 0{,}05, also wird H0H_0 nicht verworfen. Die Stichprobe zeigt nicht, dass der Erwartungswert von 500500 ml abweicht - sie beweist aber auch nicht, dass er genau 500500 ml beträgt.

Typische Fehler

  • „Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, dass H₀ wahr ist.“ Nein: Der p-Wert wird unter der Annahme berechnet, dass H0H_0 gilt. Er sagt, wie überraschend die Daten wären, wenn H0H_0 gilt - nicht, wie wahrscheinlich H0H_0 ist. Ein p-Wert von 0,0210{,}021 heißt nicht, dass Lena mit 2,1 % Wahrscheinlichkeit rät.
  • „p > α beweist H₀.“ Nicht verwerfen ist nicht beweisen. Mit 1313 von 2020 Treffern (p=0,132p = 0{,}132) könnte Lena ein echtes, nur schwächeres Können haben - ein Test mit 2020 Bechern ist zu kurz, um es zu zeigen.
  • Das „mindestens so extrem“ vergessen. Der p-Wert ist ein ganzer Rand, nicht ein einzelnes Ergebnis. Bei 1414 von 2020 Treffern wirkt P(X=14)=0,037P(X = 14) = 0{,}037 kleiner als 0,050{,}05, doch der p-Wert P(X≥14)=0,058P(X \ge 14) = 0{,}058 ist größer.
  • α oder die Seite des Tests erst nach Ansicht der Daten wählen. Beides wird vor dem Test festgelegt. Wer es hinterher wählt oder so lange eine Auswertung nach der anderen probiert, bis eine p≤0,05p \le 0{,}05 liefert, macht einen Fehlalarm wahrscheinlicher.
  • „Signifikant“ heißt „wichtig“. Ein signifikantes Ergebnis wäre unter H0H_0 unwahrscheinlich, der Effekt selbst kann aber winzig sein: In einer genügend großen Stichprobe liefert schon ein sehr kleiner Unterschied einen kleinen p-Wert. Wie groß der Effekt ist, ist eine andere Frage.

In der Oberstufe und im Studium

Welche Kurse das Testen von Hypothesen behandeln, legen die Bundesländer fest. In Baden-Württemberg steht es im Bildungsplan 2016 nur im Leistungsfach: Dort testet man Hypothesen bei binomialverteilten Zufallsgrößen, führt ein- und zweiseitige Tests durch, bestimmt Ablehnungsbereich und Entscheidungsregel, grenzt Signifikanzniveau und Irrtumswahrscheinlichkeit voneinander ab und erläutert Fehler erster und zweiter Art. Laut den Hinweisen des ZSL zum Abitur bleibt das Testen von Hypothesen dem Leistungsfach vorbehalten. Der Bechertest auf dieser Seite ist genau so ein Test mit einer binomialverteilten Testgröße.

Im Studium gehören Hypothesentests zu den Grundlagen der Statistik. Im freien Wikibooks-Lehrbuch „Statistik“, das auf einem Vorlesungsskript für Studienanfänger beruht, folgt das Kapitel „Schätzen und Testen“ auf die Normal- und die t-Verteilung und auf die Konfidenzintervalle.

Teste dich

Teste dein Wissen

Ein Test liefert p=0,03p = 0{,}03, das Signifikanzniveau ist α=0,05\alpha = 0{,}05. Wie lautet die Entscheidung?

Was bedeutet p=0,03p = 0{,}03?

Eine Münze wird 55-mal geworfen und zeigt jedes Mal Kopf. Wie groß ist der p-Wert für H0:p=0,5H_0: p = 0{,}5 und H1:p>0,5H_1: p > 0{,}5?

Ein zweiseitiger Gauß-Test liefert z=2z = 2, die Tabelle gibt Φ(2)=0,9772\Phi(2) = 0{,}9772. Wie groß ist der p-Wert?

Was ist ein Fehler 1. Art?

Karteikarten zum Wiederholen

Dreh eine Karte um und gib an, ob du die Antwort wusstest. Karten, die noch nicht sitzen, kommen ans Ende des Stapels. Warum es sich lohnt, sie dir in ein paar Tagen noch einmal vorzunehmen, erklärt der Ratgeber Verteilte Wiederholung.

Karteikarten

  1. Was ist die Nullhypothese H0H_0?

    Die Annahme, von der der Test ausgeht - meist „kein Effekt“ oder ein bestimmter Wert, etwa p=0,5p = 0{,}5 für jemanden, der nur rät.
  2. Was ist der p-Wert?

    Die Wahrscheinlichkeit, unter der Annahme von H0H_0 ein mindestens so extremes Ergebnis wie das beobachtete zu erhalten.
  3. Wann wird H0H_0 verworfen?

    Wenn p≤αp \le \alpha gilt, wobei das Signifikanzniveau α vor dem Test festgelegt wird - oft 0,050{,}05.
  4. Was bedeutet p>αp > \alpha?

    H0H_0 wird nicht verworfen. Bewiesen ist H0H_0 damit nicht.
  5. Ist der p-Wert die Wahrscheinlichkeit, dass H0H_0 wahr ist?

    Nein. Er wird unter der Annahme berechnet, dass H0H_0 gilt, und sagt, wie überraschend die Daten unter H0H_0 wären.
  6. Was ist der Ablehnungsbereich?

    Die Werte der Testgröße, bei denen H0H_0 verworfen wird - bei 2020 Bechern und α=0,05\alpha = 0{,}05 ist das X≥15X \ge 15.
  7. Was sind Fehler 1. und 2. Art?

    1. Art: H0H_0 verwerfen, obwohl sie wahr ist - mit Wahrscheinlichkeit höchstens α. 2. Art: H0H_0 nicht verwerfen, obwohl sie falsch ist.
  8. Was ist die Güte eines Tests?

    Die Wahrscheinlichkeit, H0H_0 zu verwerfen, wenn sie falsch ist, also 1−β1 - \beta.
  9. Wie berechnet man zz beim Test für den Erwartungswert?

    z=xˉ−μ0σ/nz = \frac{\bar{x} - \mu_0}{\sigma / \sqrt{n}} - im Nenner steht der Standardfehler σ/n\sigma/\sqrt{n}.
  10. Wie erhält man den p-Wert eines zweiseitigen Gauß-Tests?

    Man verdoppelt die Fläche eines Randes: p=2⋅(1−Φ(z))p = 2 \cdot (1 - \Phi(z)) für ein positives zz.

Quellen

Die Fakten auf dieser Seite haben wir anhand dieser Quellen geprüft. Alle dürfen frei weiterverwendet werden: Sie stehen unter einer offenen Lizenz oder sind urheberrechtlich nicht geschützt.

  1. Serlo - Einführung in Hypothesentests (Ratetest mit n = 20: unter der Nullhypothese ist die Trefferzahl binomialverteilt; Nullhypothese, Gegenhypothese, kritischer Wert, Annahme- und Ablehnungsbereich, Signifikanzniveau als Wahrscheinlichkeit des Ablehnungsbereichs) · CC BY-SA 4.0
  2. Serlo - Nullhypothese und Gegenhypothese (H₀ ist, wovon man ohne weiteres Wissen ausgeht; die Vermutung, die belegt werden soll, kommt in H₁) · CC BY-SA 4.0
  3. Serlo - Hypothesentest-Arten (linksseitiger, rechtsseitiger und zweiseitiger Test) · CC BY-SA 4.0
  4. Serlo - Entscheidungsregel eines Hypothesentests (kritischer Wert, Ablehnungsbereich, Signifikanzniveau und Fehler 1. Art) · CC BY-SA 4.0
  5. Serlo - Fehler erster Art und Fehler zweiter Art (Definitionen, α- und β-Fehler) · CC BY-SA 4.0
  6. Wikibooks - Statistik: Test auf Erwartungswert (Gauß-Test mit z = (x̄ − μ₀)/(σ/√n) bei bekanntem σ, unter H₀ standardnormalverteilt; t-Test bei unbekanntem σ; ein- und zweiseitige Ablehnungsbereiche) · CC BY-SA 4.0
  7. Wikibooks - Statistik (Lehrbuch auf Grundlage eines Vorlesungsskripts für Studienanfänger; das Kapitel „Schätzen und Testen“ folgt auf Normal- und t-Verteilung und Konfidenzintervalle) · CC BY-SA 4.0
  8. Stang, Kowall - Fishers Signifikanztest: Eine sanfte Einführung, GMS Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, 2020 (der p-Wert als bedingte Wahrscheinlichkeit unter der Nullhypothese, keine Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit von H₀; α wird vor der Studie festgelegt) · CC BY 4.0
  9. Bildungsplan 2016 Baden-Württemberg, Gymnasium Mathematik - 3.4.5 Klassen 11/12, Leistungsfach (Hypothesen bei binomialverteilten Zufallsgrößen testen, ein- und zweiseitige Tests, Ablehnungsbereich und Entscheidungsregel, Signifikanzniveau und Irrtumswahrscheinlichkeit, Fehler erster und zweiter Art) · amtliches Werk
  10. ZSL Baden-Württemberg, Lehrerfortbildung - Bildungsplan 2016 Mathematik, Abiturrelevante Inhalte der Kursstufe (Testen von Hypothesen bleibt dem Leistungsfach vorbehalten) · CC BY-SA 4.0
  11. David M. Lane - Online Statistics Education, Introduction to Hypothesis Testing (auf Englisch: Wahrscheinlichkeit, bei einem Geschmackstest durch Raten mindestens so viele Treffer zu erzielen; Fisher und die Geschichte von der Teetrinkerin) · gemeinfrei
  12. Danielle Navarro - Learning Statistics with R, 13.1 The one-sample z-test (auf Englisch: kritische Werte 1,645, 1,96, 2,326 und 2,576) · CC BY-SA 4.0
  13. Wikipedia - P-Wert (Wahrscheinlichkeit für den beobachteten oder einen extremeren Wert unter H₀; keine Wahrscheinlichkeit der Nullhypothese; sagt nichts über die Größe des Effekts) · CC BY-SA 4.0
  14. Wikipedia - Fehler 1. und 2. Art (α als obere Schranke für den Fehler 1. Art, β, Güte 1 − β) · CC BY-SA 4.0
  15. Wikipedia - Binomialtest (Teststatistik unter der Nullhypothese binomialverteilt; das exakte Niveau ist höchstens α) · CC BY-SA 4.0
  16. Wikipedia - P-Hacking (Auswertung nach Ansicht der Daten anpassen, bis p unter 5 % fällt) · CC BY-SA 4.0
  17. Wikipedia - Lady tasting tea (auf Englisch: R. A. Fishers Teeexperiment in The Design of Experiments, 1935) · CC BY-SA 4.0

Weitere Erklärungen