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DE - Sprache: Deutsch
MathematikOberstufe

Normalverteilung und Standardabweichung - die Glockenkurve Schritt für Schritt erklärt

· 16 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die Normalverteilung beschreibt Werte, die sich um die Mitte häufen und nach beiden Seiten gleichermaßen seltener werden - ihr Graph ist die Glockenkurve. Der Erwartungswert μ gibt die Mitte an, die Standardabweichung σ die Streuung. Der Anteil der Werte in einem Bereich ist die Fläche unter der Kurve - etwa 68 % liegen höchstens σ von μ entfernt, 95 % höchstens 2σ und 99,7 % höchstens 3σ.

Wichtige Begriffe

Arithmetisches Mittel x̄ und Erwartungswert μ
Das arithmetische Mittel ist die Summe der Werte geteilt durch ihre Anzahl - die Mitte der Daten. Die Mitte einer Verteilung heißt Erwartungswert μ.
Standardabweichung σ
Wie weit die Werte typischerweise vom Mittelwert entfernt sind. Sie ist die Wurzel aus der Varianz.
Varianz σ²
Die mittlere quadratische Abweichung, also der Mittelwert der quadrierten Abstände der Werte vom Mittelwert.
Normalverteilung N(μ; σ²)
Eine symmetrische, glockenförmige Verteilung, die durch den Erwartungswert μ und die Standardabweichung σ festgelegt ist. Die zweite Zahl in der Klammer ist die Varianz.
z-Wert
Um wie viele Standardabweichungen ein Wert x vom Erwartungswert abweicht - z = (x − μ)/σ. Diese Umrechnung heißt Standardisierung.
Φ(z)
Die Fläche unter der Kurve der Standardnormalverteilung links von z, also die Wahrscheinlichkeit P(Z ≤ z). Φ heißt Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung.

Was meinst du?

Eine Maschine füllt Mehl in Packungen ab. Die Masse einer Packung ist normalverteilt mit dem Erwartungswert 10001000 g und der Standardabweichung 55 g. Wie groß ist ungefähr der Anteil der Packungen, die mehr als 10051005 g wiegen?

Die Idee: Die meisten Werte liegen nah am Mittelwert

Eine Abfüllmaschine ist auf 10001000 g Mehl pro Packung eingestellt. Wiegst du tausend ihrer Packungen nach, zeigt die Waage nicht jedes Mal genau 10001000 g an. Die meisten Packungen liegen knapp daneben, einige weichen etwas stärker ab und nur sehr wenige deutlich. Trägst du die Massen in ein Histogramm ein, entsteht ein annähernd symmetrischer Berg in Form einer Glocke.

Die Normalverteilung ist das mathematische Modell für diese Glocke. Sie ist durch nur zwei Kenngrößen festgelegt:

  • den Erwartungswert μ\mu (griechischer Buchstabe My) - er gibt an, wo die Mitte der Glocke liegt,
  • die Standardabweichung σ\sigma (Sigma) - sie gibt an, wie weit die Werte typischerweise vom Erwartungswert entfernt sind. Ein kleines σ\sigma ergibt eine schmale, hohe Glocke, ein großes σ\sigma eine breite, flache.

Der Anteil der Werte in einem Bereich ist die Fläche unter der Kurve über diesem Bereich. Die gesamte Fläche unter der Kurve ist 11, also 100 %.

Warum begegnet uns die Glocke so oft? Grob gesagt ist die Summe oder der Mittelwert vieler unabhängiger Zufallsgrößen annähernd normalverteilt, ganz gleich, wie die einzelnen Größen verteilt sind. Das ist die Aussage des zentralen Grenzwertsatzes. Die Normalverteilung heißt auch Gauß-Verteilung, benannt nach dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß.

Vom Histogramm zur Glockenkurve

Klick dich mit den Knöpfen oder den Pfeiltasten Schritt für Schritt durch die Animation. Die Balken zeigen die Massen von 10001000 Packungen (am Computer simuliert), die farbige Kurve ist die Normalverteilung, die sie beschreibt.

98099010001010102050100150200

1000 Packungen

Schritt 1 von 7
Schritte der Animation. Mit den Pfeiltasten wechselst du zwischen den Schritten.

Eine Maschine füllt Mehlpackungen ab, und wir haben 1000 davon gewogen. Jeder Balken gibt an, wie viele Packungen in eine Klasse von 2,5 g Breite fallen. Die meisten wiegen ungefähr 1000 g, und je weiter eine Masse von 1000 g abweicht, desto seltener kommt sie vor.

Die Kurve trifft nicht jeden Balken genau. Sie ist ein Modell: Sie beschreibt, wie sich die Massen typischerweise verteilen, nicht jede einzelne Packung. Je mehr Packungen wir wiegen, desto näher kommt das Histogramm der Kurve - probier es im Labor unten aus.

Probier es aus: μ, σ und die Fläche unter der Kurve

Mit den Schiebereglern stellst du den Erwartungswert μ\mu und die Standardabweichung σ\sigma der Maschine ein, außerdem einen Bereich von aa bis bb. Der Inhalt der gefärbten Fläche ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Masse einer Packung in diesem Bereich liegt. Wieg dann ein paar hundert Packungen und vergleiche den Anteil der Packungen zwischen aa und bb mit dem Flächeninhalt.

9709809901000101010201030
μ = 1000 g
σ = 5 g
a = 995 g
b = 1005 g
z für a
−1
z für b
1
Fläche von a bis b = P(a < X < b)
68,3 %

gewogene Packungen: 0

Achte dabei auf Folgendes:

  • wenn du μ\mu änderst, verschiebt sich die Kurve nur - ihre Form bleibt gleich,
  • ein größeres σ\sigma ergibt eine breitere, flachere Kurve, denn die Fläche darunter ist immer 11,
  • leg aa und bb je ein σ\sigma links und rechts von μ\mu (zum Beispiel μ=1000\mu = 1000, σ=4\sigma = 4, a=996a = 996 und b=1004b = 1004): Die Fläche ist 68,3 %, egal welche Werte μ\mu und σ\sigma haben,
  • die Fläche hängt nur von den z-Werten von aa und bb ab,
  • je mehr Packungen du wiegst, desto näher liegt der Anteil der Packungen zwischen aa und bb am Flächeninhalt.

Die Definition

Mittelwert und Standardabweichung von Daten. Für die Daten x1,x2,…,xnx_1, x_2, \ldots, x_n ist das arithmetische Mittel, kurz der Mittelwert,

xˉ=x1+x2+…+xnn.\bar{x} = \frac{x_1 + x_2 + \ldots + x_n}{n}.

Die Varianz der Daten, genauer die empirische Varianz, ist die mittlere quadratische Abweichung, also der Mittelwert der quadrierten Abstände vom Mittelwert. Die (empirische) Standardabweichung ist die Wurzel aus der Varianz:

σ2=(x1−xˉ)2+…+(xn−xˉ)2n\sigma^2 = \frac{(x_1 - \bar{x})^2 + \ldots + (x_n - \bar{x})^2}{n}
σ=σ2\sigma = \sqrt{\sigma^2}

Wir quadrieren die Abweichungen, damit sich Abweichungen nach unten und nach oben nicht gegenseitig aufheben. Durch die Wurzel hat das Ergebnis wieder die Einheit der Daten, zum Beispiel Gramm. In der Statistik berechnet man die Standardabweichung einer Stichprobe oft mit n−1n - 1 statt nn im Nenner. Bei großen Stichproben ist der Unterschied gering.

Die Normalverteilung. Eine stetige Zufallsgröße XX heißt normalverteilt mit dem Erwartungswert μ\mu und der Standardabweichung σ\sigma, wenn ihre Wahrscheinlichkeiten Flächen unter der Glockenkurve sind. Die Glockenkurve ist der Graph der Dichtefunktion

f(x)=1σ2π e−(x−μ)22σ2.f(x) = \frac{1}{\sigma\sqrt{2\pi}}\, e^{-\frac{(x - \mu)^2}{2\sigma^2}}.

Man schreibt kurz X∼N(μ;σ2)X \sim N(\mu; \sigma^2) - die zweite Angabe in der Klammer ist dabei die Varianz, nicht die Standardabweichung. Die Kurve ist achsensymmetrisch zur Geraden x=μx = \mu und hat dort ihren Hochpunkt. Ihre Wendestellen liegen bei μ−σ\mu - \sigma und μ+σ\mu + \sigma: Bei μ−σ\mu - \sigma geht die Linkskurve in eine Rechtskurve über, bei μ+σ\mu + \sigma die Rechtskurve wieder in eine Linkskurve. Die gesamte Fläche unter der Kurve ist 11. Die Wahrscheinlichkeit, dass XX zwischen aa und bb liegt, ist die Fläche unter der Kurve von aa bis bb, also das Integral ∫abf(x) dx\int_a^b f(x)\,dx. Ein einzelner Wert hat die Wahrscheinlichkeit 00, deshalb sind P(a<X<b)P(a < X < b) und P(a≤X≤b)P(a \le X \le b) gleich.

Die Sigma-Regeln. Für jede Normalverteilung gilt:

  • etwa 68,27 % der Werte liegen höchstens ein σ\sigma vom Erwartungswert entfernt, also zwischen μ−σ\mu - \sigma und μ+σ\mu + \sigma,
  • etwa 95,45 % liegen höchstens 2σ2\sigma vom Erwartungswert entfernt,
  • etwa 99,73 % liegen höchstens 3σ3\sigma vom Erwartungswert entfernt.

Standardisierung. Der z-Wert z=x−μσz = \frac{x - \mu}{\sigma} gibt an, um wie viele Standardabweichungen xx vom Erwartungswert abweicht. Ist XX nach N(μ;σ2)N(\mu; \sigma^2) verteilt, so ist die standardisierte Zufallsgröße Z=X−μσZ = \frac{X - \mu}{\sigma} nach N(0;1)N(0; 1) verteilt, also standardnormalverteilt. Die Werte ihrer Verteilungsfunktion Φ(z)=P(Z≤z)\Phi(z) = P(Z \le z) findest du in Tabellen oder mit dem Taschenrechner:

zz Φ(z)\Phi(z)
0,50{,}5 0,69150{,}6915
11 0,84130{,}8413
1,51{,}5 0,93320{,}9332
1,61{,}6 0,94520{,}9452
22 0,97720{,}9772
33 0,99870{,}9987

Viele Tabellen enthalten nur Werte für z≥0z \ge 0. Für ein negatives zz nutzt du die Symmetrie der Kurve:

Φ(−z)=1−Φ(z)\Phi(-z) = 1 - \Phi(z)

Für einen Bereich von aa bis bb, wobei zaz_a und zbz_b die z-Werte der beiden Grenzen sind, gilt:

P(a<X<b)=Φ(zb)−Φ(za)P(a < X < b) = \Phi(z_b) - \Phi(z_a)

Beispiel 1: die Standardabweichung von fünf Zahlen

Fünf Schülerinnen und Schüler haben gestoppt, wie lange sie für ein Rätsel gebraucht haben, in Minuten: 44, 66, 77, 88 und 1010. Bestimme das arithmetische Mittel und die Standardabweichung dieser Zeiten.

Schritt 1. Das arithmetische Mittel berechnen

Wir addieren die fünf Zeiten und teilen durch 55.

xˉ=4+6+7+8+105=355=7\begin{aligned} \bar{x} &= \frac{4 + 6 + 7 + 8 + 10}{5} \\ &= \frac{35}{5} \\ &= \boxed{7} \end{aligned}

Schritt 2. Die Abweichungen vom Mittelwert bestimmen

Wir ziehen von jeder Zeit den Mittelwert 77 ab. Zeiten unter dem Mittelwert ergeben negative Abweichungen.

4−7=−36−7=−17−7=08−7=110−7=3\begin{aligned} 4 - 7 &= -3 \\ 6 - 7 &= -1 \\ 7 - 7 &= 0 \\ 8 - 7 &= 1 \\ 10 - 7 &= 3 \end{aligned}

Schritt 3. Die Abweichungen quadrieren und addieren

Durch das Quadrieren fallen die Minuszeichen weg.

(−3)2+(−1)2+02+12+32=9+1+0+1+9=20\begin{aligned} &(-3)^2 + (-1)^2 + 0^2 + 1^2 + 3^2 \\ &= 9 + 1 + 0 + 1 + 9 \\ &= 20 \end{aligned}

Schritt 4. Durch die Anzahl der Werte teilen

Die Varianz ist der Mittelwert der quadrierten Abweichungen, also teilen wir die Summe durch 55.

σ2=205=4\sigma^2 = \frac{20}{5} = \boxed{4}

Schritt 5. Die Wurzel ziehen

Die Standardabweichung ist die Wurzel aus der Varianz.

σ=4=2\sigma = \sqrt{4} = 2

Antwort

xˉ=7\bar{x} = 7 Minuten und σ=2\sigma = 2 Minuten. Die Zeiten weichen also typischerweise um etwa 22 Minuten vom Mittelwert ab.

Beispiel 2: der Anteil leichter Packungen

Die Masse einer Mehlpackung ist normalverteilt mit dem Erwartungswert μ=1000\mu = 1000 g und der Standardabweichung σ=5\sigma = 5 g. Welcher Anteil der Packungen wiegt weniger als 992992 g?

Schritt 1. Die Masse standardisieren

Wir berechnen, um wie viele Standardabweichungen 992992 g vom Erwartungswert abweicht.

z=992−10005=−85=−1,6\begin{aligned} z &= \frac{992 - 1000}{5} \\ &= \frac{-8}{5} \\ &= \boxed{-1{,}6} \end{aligned}

Schritt 2. Den Anteil mit Φ schreiben

Eine Masse unter 992992 g hat einen z-Wert unter −1,6-1{,}6.

P(X<992)=Φ(−1,6)P(X < 992) = \Phi(-1{,}6)

Schritt 3. Die Symmetrie der Kurve nutzen

Die Tabelle enthält nur positive z-Werte, deshalb nutzen wir Φ(−z)=1−Φ(z)\Phi(-z) = 1 - \Phi(z).

Φ(−1,6)=1−Φ(1,6)\Phi(-1{,}6) = 1 - \Phi(1{,}6)

Schritt 4. In der Tabelle ablesen und subtrahieren

Die Tabelle liefert Φ(1,6)=0,9452\Phi(1{,}6) = 0{,}9452.

1−Φ(1,6)=1−0,9452=0,0548\begin{aligned} 1 - \Phi(1{,}6) &= 1 - 0{,}9452 \\ &= 0{,}0548 \end{aligned}

Antwort

P(X<992)≈0,0548P(X < 992) \approx 0{,}0548. Etwa 5,5 % der Packungen wiegen weniger als 992992 g - ungefähr 5555 von 10001000.

Jetzt du

Die Höhe junger Tomatenpflanzen in einem Gewächshaus ist normalverteilt mit dem Erwartungswert 6060 cm und der Standardabweichung 1212 cm. Welcher Anteil der Pflanzen ist zwischen 5454 cm und 7878 cm hoch?

Hinweisanzeigen

Berechne die z-Werte von 5454 und 7878. Der Anteil ist Φ(zb)−Φ(za)\Phi(z_b) - \Phi(z_a), und für ein negatives zz nutzt du Φ(−z)=1−Φ(z)\Phi(-z) = 1 - \Phi(z). Aus der Tabelle: Φ(0,5)=0,6915\Phi(0{,}5) = 0{,}6915 und Φ(1,5)=0,9332\Phi(1{,}5) = 0{,}9332.

Lösungversuch es zuerst selbst

Schritt 1. Beide Grenzen standardisieren

Wir berechnen die z-Werte von 5454 cm und 7878 cm.

za=54−6012=−0,5zb=78−6012=1,5\begin{aligned} z_a &= \frac{54 - 60}{12} = -0{,}5 \\ z_b &= \frac{78 - 60}{12} = 1{,}5 \end{aligned}

Schritt 2. Den Anteil als Differenz schreiben

Der Anteil ist die Fläche links von zbz_b minus die Fläche links von zaz_a.

P=Φ(1,5)−Φ(−0,5)P = \Phi(1{,}5) - \Phi(-0{,}5)

Schritt 3. Die Symmetrie der Kurve nutzen

Die Tabelle enthält nur positive z-Werte, also drücken wir Φ(−0,5)\Phi(-0{,}5) durch einen Tabellenwert aus.

Φ(−0,5)=1−Φ(0,5)=1−0,6915=0,3085\begin{aligned} \Phi(-0{,}5) &= 1 - \Phi(0{,}5) \\ &= 1 - 0{,}6915 \\ &= \boxed{0{,}3085} \end{aligned}

Schritt 4. Subtrahieren

Wir lesen Φ(1,5)=0,9332\Phi(1{,}5) = 0{,}9332 in der Tabelle ab und ziehen das Ergebnis aus Schritt 3 davon ab.

P=0,9332−0,3085=0,6247\begin{aligned} P &= 0{,}9332 - 0{,}3085 \\ &= 0{,}6247 \end{aligned}

Antwort

P(54<X<78)≈0,6247P(54 < X < 78) \approx 0{,}6247. Etwa 62,5 % der Pflanzen sind zwischen 5454 cm und 7878 cm hoch.

Typische Fehler

  • In der Tabelle xx statt zz suchen. Die Tabelle gehört zur Standardnormalverteilung, also musst du zuerst standardisieren. Für 992992 g mit μ=1000\mu = 1000 g und σ=5\sigma = 5 g rechnest du mit z=−1,6z = -1{,}6 weiter, nicht mit 992992.
  • Das „1 −“ vergessen. Φ(z)\Phi(z) ist die Fläche links von zz. Für „mehr als“ brauchst du die Fläche rechts davon: P(Z>z)=1−Φ(z)P(Z > z) = 1 - \Phi(z). Zum Beispiel ist P(Z>1)=1−0,8413=0,1587P(Z > 1) = 1 - 0{,}8413 = 0{,}1587.
  • σ\sigma und σ2\sigma^2 verwechseln. Manche Bücher schreiben die Normalverteilung als N(μ;σ2)N(\mu; \sigma^2), andere als N(μ;σ)N(\mu; \sigma). In N(10;16)N(10; 16), nach der ersten Schreibweise, ist die Standardabweichung 16=4\sqrt{16} = 4 und nicht 1616. Schau nach, welche Schreibweise dein Buch verwendet.
  • Die Sigma-Regeln auf beliebige Daten anwenden. Die Regeln gelten für Normalverteilungen. Bei anderen Formen sind die Anteile anders: Bei einer stetigen Gleichverteilung, deren Dichtefunktion auf einem Intervall konstant und außerhalb null ist, liegen nur etwa 58 % der Werte höchstens ein σ\sigma vom Erwartungswert entfernt.
  • „Ein größeres σ macht die Kurve höher.“ Es ist umgekehrt. Die Fläche unter der Kurve ist immer 11, also muss eine breitere Kurve niedriger sein: Ihr Hochpunkt liegt auf der Höhe 1σ2π\frac{1}{\sigma\sqrt{2\pi}}.

In der Oberstufe und im Studium

In Baden-Württemberg gehört die Normalverteilung laut Bildungsplan 2016 zum Pflichtstoff der gymnasialen Kursstufe, im Leistungsfach wie im Basisfach. Im Leistungsfach geben die Schülerinnen und Schüler die Dichtefunktion einer normalverteilten Zufallsgröße mithilfe von Erwartungswert und Standardabweichung an und skizzieren die Glockenkurve. Im Basisfach beschreiben sie, wie Erwartungswert und Standardabweichung mit der Glockenkurve zusammenhängen. In beiden Fächern untersuchen sie Situationen, die zu annähernd normalverteilten Zufallsgrößen führen, und berechnen Wahrscheinlichkeiten.

Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) begründet in seinen Fortbildungsmaterialien die Aufnahme ins Basisfach unter anderem mit der Alltagsrelevanz annähernd normalverteilter Zufallsgrößen. Als Näherung für die Binomialverteilung hat die Normalverteilung nach Einschätzung des ZSL dagegen nur noch historische Bedeutung, weil es heute digitale Hilfsmittel gibt.

Die Standardabweichung selbst kommt in Baden-Württemberg schon früher vor: In Klasse 9/10 berechnen die Schülerinnen und Schüler Erwartungswert und Standardabweichung einer binomialverteilten Zufallsgröße und erläutern ihren Zusammenhang am Histogramm.

Im Studium gehört die Normalverteilung zu den Grundlagen einer Einführung in die Statistik. Im offenen Wikibooks-Lehrbuch „Statistik“, das auf einem Vorlesungsskript für Studienanfänger beruht, steht sie im Kapitel über stetige Verteilungen. Direkt danach kommt der zentrale Grenzwertsatz, später folgen Konfidenzintervalle und Hypothesentests. Ähnlich ist der freie englischsprachige Kurs Online Statistics Education aufgebaut: Nach dem Kapitel über Normalverteilungen behandelt er unter anderem Stichprobenverteilungen, Schätzen und Hypothesentests.

Teste dich

Teste dein Wissen

Eine Normalverteilung hat μ=50\mu = 50 und σ=4\sigma = 4. Zwischen welchen beiden Zahlen liegen etwa 95 % der Werte?

Was passiert mit der Glockenkurve, wenn σ\sigma größer wird und μ\mu gleich bleibt?

XX ist normalverteilt mit μ=20\mu = 20 und σ=4\sigma = 4. Welchen z-Wert hat x=26x = 26?

Die Tabelle liefert Φ(1)=0,8413\Phi(1) = 0{,}8413. Wie groß ist P(Z>1)P(Z > 1)?

Wie groß ist die Standardabweichung der Daten 33, 33, 77, 77?

Karteikarten zum Wiederholen

Dreh eine Karte um und gib an, ob du die Antwort wusstest. Karten, die noch nicht sitzen, kommen ans Ende des Stapels. Warum es sich lohnt, sie dir in ein paar Tagen noch einmal vorzunehmen, erklärt der Ratgeber Verteilte Wiederholung.

Karteikarten

  1. Was verraten μ\mu und σ\sigma über eine Glockenkurve?

    μ\mu gibt an, wo ihre Mitte und ihr Hochpunkt liegen. σ\sigma gibt an, wie stark die Werte streuen: Ein größeres σ\sigma ergibt eine breitere, flachere Kurve.
  2. Wie berechnest du die Standardabweichung von Daten?

    Den Mittelwert bestimmen, die Abweichung jedes Wertes davon quadrieren und den Mittelwert dieser Quadrate bilden - das ist die Varianz. Die Standardabweichung ist die Wurzel daraus.
  3. Was besagen die Sigma-Regeln?

    Bei einer Normalverteilung liegen etwa 68 % der Werte höchstens ein σ\sigma vom Erwartungswert entfernt, etwa 95 % höchstens 2σ2\sigma und etwa 99,7 % höchstens 3σ3\sigma.
  4. Was ist der z-Wert eines Wertes xx?

    z=x−μσz = \frac{x - \mu}{\sigma} - er gibt an, um wie viele Standardabweichungen xx vom Erwartungswert abweicht.
  5. Was bedeutet Φ(z)\Phi(z)?

    Die Fläche unter der Kurve der Standardnormalverteilung links von zz, also P(Z≤z)P(Z \le z).
  6. Wie bestimmst du Φ(−z)\Phi(-z) mit einer Tabelle?

    Φ(−z)=1−Φ(z)\Phi(-z) = 1 - \Phi(z) - die Glockenkurve der Standardnormalverteilung ist achsensymmetrisch zur yy-Achse.
  7. Wie berechnest du P(a<X<b)P(a < X < b) für eine normalverteilte Zufallsgröße XX?

    Beide Grenzen standardisieren und subtrahieren: Φ(zb)−Φ(za)\Phi(z_b) - \Phi(z_a).
  8. Wie groß ist die gesamte Fläche unter einer Glockenkurve?

    11, also 100 %. Deshalb ist eine Kurve mit größerem σ\sigma flacher.
  9. Wo liegen die Wendestellen einer Glockenkurve?

    Bei μ−σ\mu - \sigma und μ+σ\mu + \sigma.

Quellen

Die Fakten auf dieser Seite haben wir anhand dieser Quellen geprüft. Alle dürfen frei weiterverwendet werden: Sie stehen unter einer offenen Lizenz oder sind urheberrechtlich nicht geschützt.

  1. Serlo - Normalverteilung (Dichtefunktion mit μ und σ, Schreibweise N(μ, σ²), symmetrisch zu μ, Gauß-Verteilung, F(x) = Φ((x − μ)/σ), Φ(−x) = 1 − Φ(x), Werte aus der Tabelle) · CC BY-SA 4.0
  2. Serlo - Varianz (die mittlere quadratische Abweichung, Schreibweise σ²) · CC BY-SA 4.0
  3. Serlo - Zufallsgröße (bei einer stetigen Zufallsgröße hat ein einzelner Wert die Wahrscheinlichkeit 0) · CC BY-SA 4.0
  4. Wikibooks - Statistik: Normalverteilung (X ∼ N(μ; σ²), symmetrisch bezüglich μ, Standardisierung Z = (X − μ)/σ, P(Z ≤ z) = Φ(z), Tabelle ab z = 0, P(Z ≤ −z) = 1 − Φ(z)) · CC BY-SA 4.0
  5. Wikibooks - Statistik (Lehrbuch auf Grundlage eines Vorlesungsskripts für Studienanfänger; auf die Normalverteilung folgt der zentrale Grenzwertsatz, später Konfidenzintervalle und Hypothesentests) · CC BY-SA 4.0
  6. Bildungsplan 2016 Baden-Württemberg, Gymnasium Mathematik - 3.4.5 Klassen 11/12, Leistungsfach (Dichtefunktion einer normalverteilten Zufallsgröße mit Erwartungswert und Standardabweichung, Glockenkurve skizzieren, Wahrscheinlichkeiten berechnen) · amtliches Werk
  7. Bildungsplan 2016 Baden-Württemberg, Gymnasium Mathematik - 3.5.5 Klassen 11/12, Basisfach (Zusammenhang von Erwartungswert, Standardabweichung und Glockenkurve, Wahrscheinlichkeiten bei annähernd normalverteilten Zufallsgrößen) · amtliches Werk
  8. Bildungsplan 2016 Baden-Württemberg, Gymnasium Mathematik - 3.3.5 Klassen 9/10 (Erwartungswert und Standardabweichung einer binomialverteilten Zufallsgröße, ihr Zusammenhang am Histogramm) · amtliches Werk
  9. ZSL Baden-Württemberg, Lehrerfortbildung - Stochastik: Normalverteilung, Didaktische Hinweise: Grundlagen (Normalverteilung verbindlich auch im Basisfach, unter anderem wegen ihrer Alltagsrelevanz; als Näherung der Binomialverteilung dank digitaler Hilfsmittel nur noch von historischer Bedeutung) · CC BY-SA 4.0
  10. Kyle Siegrist - Probability, Mathematical Statistics, and Stochastic Processes, 5.6 The Normal Distribution (auf Englisch: symmetrisch zu μ, Hochpunkt bei μ, Wendestellen bei μ ± σ, Z = (X − μ)/σ, Φ(−z) = 1 − Φ(z), benannt nach Carl Friedrich Gauß) · CC BY 2.0
  11. Danielle Navarro - Learning Statistics with R, 9.5 The Normal Distribution (auf Englisch: μ verschiebt die Kurve, ein größeres σ macht sie breiter und niedriger, Gesamtfläche 1, 68,3 %, 95,4 % und 99,7 %, ein exakter Wert hat die Wahrscheinlichkeit 0) · CC BY-SA 4.0
  12. Kyle Siegrist - Probability, Mathematical Statistics, and Stochastic Processes, 5.21 The Uniform Distribution on an Interval (auf Englisch: stetige Gleichverteilung auf [a; b], Varianz (b − a)²/12) · CC BY 2.0
  13. David M. Lane - Online Statistics Education, Measures of Variability (auf Englisch: Varianz als mittlere quadratische Abweichung, bei einer Stichprobe mit N − 1, Standardabweichung als Wurzel) · gemeinfrei
  14. David M. Lane - Online Statistics Education, Sampling Distribution of the Mean (auf Englisch: zentraler Grenzwertsatz, unabhängig von der Form der Ausgangsverteilung) · gemeinfrei
  15. David M. Lane - Online Statistics Education (auf Englisch: freier Einführungskurs in die Statistik; nach den Normalverteilungen folgen unter anderem Stichprobenverteilungen, Schätzen und Hypothesentests) · gemeinfrei
  16. Wikipedia - Normalverteilung (Gauß-Verteilung nach Carl Friedrich Gauß, Wendepunkte bei μ ± σ, Gesamtfläche 1, 68,27 %, 95,45 % und 99,73 %, Standardisierung, Φ(−x) = 1 − Φ(x)) · CC BY-SA 4.0
  17. Wikipedia - Empirische Varianz (mit n oder mit n − 1, korrigierte Stichprobenvarianz) · CC BY-SA 4.0
  18. Wikipedia - Stichprobenvarianz (Schätzfunktion) (die Version mit n ist asymptotisch erwartungstreu, Faktor (n − 1)/n) · CC BY-SA 4.0
  19. Wikipedia - Zentraler Grenzwertsatz (Summe und Mittelwert vieler unabhängiger Zufallsvariablen sind annähernd normalverteilt) · CC BY-SA 4.0
  20. Wikipedia - Stetige Gleichverteilung (Standardabweichung (b − a)/(2√3)) · CC BY-SA 4.0

Weitere Erklärungen