Mitose und Meiose - was ist der Unterschied? Zellteilung Schritt für Schritt
· 12 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Bei der Mitose entstehen aus einer Zelle zwei identische Zellen mit gleich vielen Chromosomen - so wächst der Körper und erneuert sein Gewebe. Die Meiose besteht aus zwei Teilungen nacheinander. Aus einer Zelle werden vier, jede mit halb so vielen Chromosomen und einer eigenen Mischung von Genen. So entstehen die Keimzellen.
Wichtige Begriffe
- Homologe Chromosomen
- Ein Chromosomenpaar mit denselben Genen - eines stammt von der Mutter, das andere vom Vater.
- Schwesterchromatiden
- Die zwei identischen Kopien eines Chromosoms nach der DNA-Verdopplung, verbunden am Centromer.
- 2n und n
- 2n ist der doppelte Chromosomensatz (beim Menschen 46), n der einfache (23).
- Spindelapparat
- Fasern, die an den Chromosomen ansetzen und sie zu den Polen der Zelle ziehen.
- Crossing-over
- Austausch von Abschnitten zwischen homologen Chromosomen in der ersten Teilung der Meiose.
Was meinst du?
Geschwister haben dieselben Eltern und sehen trotzdem unterschiedlich aus - es sei denn, sie sind eineiige Zwillinge. Woher kommen die Unterschiede?
Jede Eizelle und jedes Spermium bekommt eine andere Auswahl der elterlichen Chromosomen. Bei der Meiose, also der Teilung, aus der die Keimzellen hervorgehen, ordnen sich die Chromosomenpaare zufällig an und tauschen außerdem Abschnitte aus. Allein die zufällige Anordnung der 23 Paare ergibt , also über 8 Millionen verschiedene Keimzellen eines Menschen. Gleich siehst du, wie das funktioniert.
Die Idee: kopieren und neu mischen
Zellen teilen sich aus zwei Gründen. Erstens braucht der Körper neue Zellen: zum Wachsen, um eine Wunde zu schließen oder um alte und beschädigte Zellen zu ersetzen. Die neuen Zellen sollen genauso sein wie die alten. Deshalb kopiert die Zelle ihr Erbgut und gibt jeder Tochterzelle einen vollständigen Satz mit. Das ist die Mitose.
Der zweite Grund ist die geschlechtliche Fortpflanzung. Eizelle und Spermium verschmelzen zu einer einzigen Zelle, also darf jede von ihnen nur die Hälfte der Chromosomen mitbringen - sonst würde sich ihre Zahl in jeder Generation verdoppeln. Und diese Hälfte ist jedes Mal eine andere, weil die Chromosomen neu gemischt werden. Das ist die Meiose.
Vorab: Chromosomen kommen in Paaren
Eine Körperzelle des Menschen hat 46 Chromosomen, also 23 Paare. In jedem Paar stammt ein Chromosom von der Mutter und eines vom Vater. Solche zwei Chromosomen heißen homolog: Sie tragen dieselben Gene, oft aber in leicht unterschiedlichen Varianten (Allelen). Eine Zelle mit doppeltem Chromosomensatz nennt man diploid (2n), eine mit einfachem Satz haploid (n).
Bevor sich eine Zelle teilt, verdoppelt sie in der Interphase ihre DNA - in der S-Phase. Danach besteht jedes Chromosom aus zwei identischen Schwesterchromatiden, die am Centromer zusammenhängen.
In den Animationen hat die Zelle nur 2n = 4 Chromosomen: ein langes und ein kurzes Paar. Die türkisfarbenen stammen von der Mutter, die orangefarbenen vom Vater. In der Interphase sind die Chromosomen aufgelockert und unter dem Lichtmikroskop nicht einzeln zu erkennen. Wir zeichnen sie trotzdem, damit du verfolgen kannst, was mit ihnen passiert. Durch die Animationen klickst du dich mit den Schaltflächen oder den Pfeiltasten.
Mitose Schritt für Schritt
1 Zelle · 4 Chromosomen, 4 Chromatiden (2n)
von der Muttervom VaterInterphase. Die Zelle hat 2n = 4 Chromosomen - zwei homologe Paare. In jedem Paar stammt ein Chromosom von der Mutter (türkis) und eines vom Vater (orange).
Aus einer 2n-Zelle sind zwei 2n-Zellen mit identischer DNA geworden. Jede hat von jedem Chromosom eine Chromatide bekommen.
Meiose Schritt für Schritt
Die Meiose besteht aus zwei Teilungen direkt nacheinander, ohne dass die DNA dazwischen noch einmal verdoppelt wird. In der ersten Teilung trennen sich die homologen Chromosomen, in der zweiten die Schwesterchromatiden. Im Unterricht heißen die beiden Teilungen oft auch erste und zweite Reifeteilung.
1 Zelle · 4 Chromosomen, 8 Chromatiden (2n)
von der Muttervom VaterDie Zelle vor der Meiose, schon nach der S-Phase: 2n = 4 Chromosomen, jedes aus zwei Schwesterchromatiden.
Aus einer 2n-Zelle sind vier n-Zellen geworden. Keine gleicht der anderen: Jede hat eine andere Mischung aus mütterlichen und väterlichen Chromosomen.
Probier es aus: Wie viele verschiedene Keimzellen gibt es?
In der Metaphase I kann sich jedes Paar auf zwei Arten anordnen: mit dem mütterlichen Chromosom zum einen oder zum anderen Pol. Davon hängt ab, was in jede Tochterzelle kommt. Dreh die Paare um oder ordne sie zufällig an und versuch, alle Kombinationen zu finden. Mit dem Schieberegler siehst du danach, wie schnell ihre Zahl mit jedem weiteren Paar wächst.
- Zum ersten Pol wandern
- A von der Mutter, B von der Mutter, C von der Mutter
- Zum zweiten Pol wandern
- A vom Vater, B vom Vater, C vom Vater
Chromosomenkombinationen, die eine Keimzelle bekommen kann
Gefundene Kombinationen: 2 von 8
- Verschiedene Keimzellen allein durch die Anordnung der Paare
- 2²³ = 8.388.608
So viele sind es beim Menschen - und das Crossing-over sorgt für noch mehr.
Bei Chromosomenpaaren gibt es mögliche Kombinationen. Für 3 Paare sind das 8, für die 23 Paare des Menschen schon 8.388.608. Durch Crossing-over entstehen zusätzlich neue Genkombinationen innerhalb der Chromosomen selbst - dass zwei Keimzellen genau dieselben Gene tragen, ist also äußerst unwahrscheinlich.
Mitose und Meiose im Vergleich
| Mitose | Meiose | |
|---|---|---|
| Zahl der Teilungen | eine | zwei (Meiose I und Meiose II) |
| Tochterzellen | 2 | 4 |
| Chromosomenzahl | wie in der Mutterzelle (2n → 2n) | halbiert (2n → n) |
| Erbgut | identisch mit der Mutterzelle | in jeder Zelle anders |
| Paarung der Homologen und Crossing-over | nein - die Homologen bilden normalerweise keine Paare | ja, in der Prophase I |
| Was zu den Polen wandert | Schwesterchromatiden | in der Meiose I homologe Chromosomen, in der Meiose II Schwesterchromatiden |
| Wo sie abläuft | vor allem in Körperzellen (somatischen Zellen) | in Zellen, aus denen Keimzellen (bei Tieren) oder Sporen (bei den meisten Pflanzen) hervorgehen |
| Wozu sie dient | Wachstum, Wundheilung, Ersatz von Zellen, ungeschlechtliche Fortpflanzung | geschlechtliche Fortpflanzung und genetische Vielfalt der Nachkommen |
Chromosomen und Chromatiden richtig zählen
Die wichtigste Regel: Es gibt so viele Chromosomen, wie es Centromere gibt. Ein Chromosom kann aus einer Chromatide bestehen (vor der S-Phase und nachdem sich die Chromatiden getrennt haben) oder aus zwei (von der S-Phase bis zu ihrer Trennung).
Beispiel: eine Zelle mit 2n = 8.
| Zeitpunkt | Chromosomen | Chromatiden |
|---|---|---|
| Interphase vor der S-Phase | 8 | 8 |
| Metaphase der Mitose | 8 | 16 |
| Anaphase der Mitose (ganze Zelle) | 16 | 16 |
| jede Zelle nach der Mitose | 8 | 8 |
| jede Zelle nach der Meiose I | 4 | 8 |
| jede Keimzelle (nach der Meiose II) | 4 | 4 |
In vielen Schulbüchern heißt ein Chromosom aus zwei Chromatiden Zwei-Chromatid-Chromosom (oder Doppelchromosom), eines aus nur einer Chromatide Ein-Chromatid-Chromosom (oder Einzelchromosom). Eine Zelle nach der Meiose I hat also einen haploiden Satz aus Zwei-Chromatid-Chromosomen, eine Keimzelle einen haploiden Satz aus Ein-Chromatid-Chromosomen.
Jetzt du
Die Körperzellen eines Hundes haben 2n = 78 Chromosomen. Wie viele Chromosomen hat eine Keimzelle des Hundes? Und wie viele Chromatiden hat eine Zelle direkt nach der ersten Teilung der Meiose?
Hinweisanzeigen
Die Meiose I halbiert die Zahl der Chromosomen, aber jedes Chromosom besteht dann noch aus zwei Chromatiden.
Lösungversuch es zuerst selbst
Eine Keimzelle hat n = 78 : 2 = 39 Chromosomen. Eine Zelle nach der Meiose I hat ebenfalls 39 Chromosomen, doch jedes besteht noch aus zwei Chromatiden - zusammen also 78 Chromatiden.
Typische Fehler
- Schwesterchromatiden und homologe Chromosomen verwechseln. Schwesterchromatiden sind zwei identische Kopien eines Chromosoms, verbunden am Centromer. Homologe Chromosomen sind zwei verschiedene Chromosomen desselben Paares - eines von der Mutter, eines vom Vater.
- „Die Chromosomenzahl sinkt in der Meiose II.“ Sie sinkt in der Meiose I, wenn sich die Homologen trennen. Die Meiose II läuft wie eine Mitose ab: Sie trennt die Schwesterchromatiden, und jede Zelle behält n Chromosomen.
- „Nach der Meiose I sind die Zellen diploid, weil sie viel DNA haben.“ Sie sind haploid: Sie haben n Chromosomen, nur besteht jedes noch aus zwei Chromatiden.
- Chromatiden statt Chromosomen zählen. In der Metaphase der Mitose hat eine menschliche Zelle 46 Chromosomen, nicht 92 - gezählt wird nach Centromeren.
- „Crossing-over gibt es auch in der Mitose.“ Crossing-over gehört zur Meiose: Es findet in der Prophase I statt, wenn die Homologen gepaart sind. In der Mitose lagern sich die Homologen normalerweise nicht aneinander. Ein Austausch zwischen ihnen (somatisches Crossing-over) ist dort ein seltener Sonderfall.
- „Keimzellen entstehen immer durch Meiose.“ Bei Tieren ja, aber nicht bei allen Lebewesen. Der Parasit Toxoplasma gondii, Erreger der Toxoplasmose, ist haploid: Seine Gameten entstehen durch Mitose, und die Meiose folgt erst nach der Befruchtung, in der Zygote. Auch Pflanzen bilden durch Meiose zunächst Sporen - ihre Gameten entstehen später durch Mitose.
In der Schule und im Abitur
Mitose und Meiose lernst du meist schon vor der Oberstufe. Im Bildungsplan des Gymnasiums in Baden-Württemberg steht zum Beispiel für die Klassen 9/10, dass du erklären kannst, wie im Zellzyklus durch Mitose Tochterzellen mit identischem Chromosomensatz entstehen, und dass du die Meiose beschreiben und mit der Mitose vergleichen kannst (Bildungsplan BW).
Seit dem Schuljahr 2024/2025 sollen die Abiturprüfungen in allen Ländern auf den Bildungsstandards der KMK beruhen. Dort stehen Mitose und Meiose nicht als eigener Inhalt, wohl aber Rekombination und genetische Variation: Geschlechtliche Fortpflanzung führt zur Rekombination des Erbguts und erhöht die genetische Variation. Außerdem setzt die Prüfung die Kompetenzen aus den vorangegangenen Schuljahren voraus. Für Aufgaben zu Vererbung und Evolution lohnt es sich also, die Meiose sicher zu beherrschen. Übe am besten mit anderen Chromosomenzahlen als 46 - wie in den Animationen oben - und mit Lebenszyklen, die anders ablaufen als beim Menschen.
Teste dich
Teste dein Wissen
Wie viele Zellen mit wie vielen Chromosomen entstehen bei der Meiose aus einer menschlichen Zelle (2n = 46)?
Was wandert in der Anaphase I der Meiose zu den Polen der Zelle?
Wann findet das Crossing-over statt?
Eine Zelle hat 2n = 6 Chromosomen. Wie viele Chromatiden hat sie in der Metaphase der Mitose?
Ein Lebewesen hat 3 Chromosomenpaare. Wie viele verschiedene Chromosomenkombinationen kann eine seiner Keimzellen allein durch die zufällige Anordnung der Paare bekommen (ohne Crossing-over)?
Karteikarten zum Wiederholen
Dreh die Karte um und sag ehrlich, ob du die Antwort wusstest. Karten, die noch nicht sitzen, kommen ans Ende des Stapels. Warum es sich lohnt, sie dir in ein paar Tagen noch einmal anzusehen, erklärt der Ratgeber Verteilte Wiederholung.
Karteikarten
Frage
Antwort
Was entsteht bei der Mitose?
Zwei 2n-Zellen mit derselben DNA wie die Mutterzelle.Was entsteht bei der Meiose?
Vier haploide Zellen (n), jede mit einer anderen Mischung von Genen.Was sind homologe Chromosomen?
Ein Chromosomenpaar mit denselben Genen - eines stammt von der Mutter, das andere vom Vater.Was sind Schwesterchromatiden?
Zwei identische Kopien eines Chromosoms nach der S-Phase, verbunden am Centromer.Nenne die Phasen der Mitose in der richtigen Reihenfolge.
Prophase, Metaphase, Anaphase, Telophase - danach folgt die Cytokinese. Manche Bücher zählen die Prometaphase als eigene Phase dazu.Wann findet das Crossing-over statt?
In der Prophase I der Meiose, zwischen Nicht-Schwesterchromatiden homologer Chromosomen.Was wandert in der Anaphase I zu den Polen, was in der Anaphase II?
In der Anaphase I homologe Chromosomen, in der Anaphase II Schwesterchromatiden.In welcher Teilung der Meiose sinkt die Zahl der Chromosomen?
In der Meiose I - der Reduktionsteilung. Die Meiose II läuft wie eine Mitose ab.Wie zählst du die Chromosomen in einer Zelle?
Nach Centromeren: Es gibt so viele Chromosomen, wie es Centromere gibt.Wie viele verschiedene Chromosomenkombinationen ergibt allein die zufällige Anordnung von 23 Paaren?
, also 8.388.608.
Quellen
Die Fakten auf dieser Seite haben wir anhand dieser Quellen geprüft. Alle dürfen frei weiterverwendet werden: Sie stehen unter einer offenen Lizenz oder sind urheberrechtlich nicht geschützt.
- ZHAW (Roger Kuhn) - Skript „Formen der Zellteilung, Organisation von Lebenszyklen und genetische Vielfalt“ (Phasen der Mitose, Meiose mit Crossing-over in der Prophase I, Interkinese ohne DNA-Synthese, Mensch 2n = 46, zufällige Verteilung der Paare, Lebenszyklen bei Haplonten und Pflanzen) · CC BY 4.0
- Wikibooks - Medizinische Biologie: Zellzyklus (S-Phase, Phasen der Mitose, Reduktionsteilung und Crossing-over in der Meiose) · CC BY-SA 4.0
- Bildungsplan 2016 Baden-Württemberg, Gymnasium Biologie - 3.3.2 Genetik (Klassen 9/10) · amtliches Werk
- Landtag von Baden-Württemberg - Drucksache 16/9432 mit der Ländervereinbarung der KMK vom 15.10.2020 (Bildungsstandards für das Abitur in allen Ländern, Art. 5) · amtliches Werk
- Scientific Reports (2019) - An experimental genetically attenuated live vaccine to prevent transmission of Toxoplasma gondii by cats (haploide Gameten, Zygote als einziges diploides Stadium, Meiose in der Oozyste) · CC BY 4.0
- Wikipedia - Mitose (Prometaphase: Zerfall der Kernhülle) · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Meiose (Reduktions- und Äquationsteilung, Interkinese) · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Crossing-over (gelegentlich auch bei mitotischen Kernteilungen) · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Haushund (76 Autosomen und 2 Geschlechtschromosomen) · CC BY-SA 4.0