Partielle Integration und Integration durch Substitution - Schritt für Schritt
· 14 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Die partielle Integration ist die Umkehrung der Produktregel, die Integration durch Substitution die Umkehrung der Kettenregel. Mit der partiellen Integration ersetzt du das Integral eines Produkts durch ein anderes, oft einfacheres. Bei der Substitution bekommt die innere Funktion einen neuen Namen u. In einem bestimmten Integral rechnest du dann auch die Grenzen um - der Wert bleibt derselbe.
Wichtige Begriffe
- Partielle Integration
- Die Regel ∫u dv = uv − ∫v du. Sie folgt aus der Produktregel.
- Integration durch Substitution
- Die innere Funktion einer Verkettung wird durch eine neue Variable u ersetzt, damit das Integral einfacher wird.
- Differential du
- Für u = g(x) schreibt man du = g′(x) dx. So lässt sich beim Substituieren dx durch du ersetzen.
- Integrationsgrenzen
- Die Zahlen a und b eines bestimmten Integrals. Nach einer Substitution müssen sie in die neue Variable umgerechnet werden.
Was meinst du?
Welche dieser Funktionen hat die Ableitung ?
Leite mit der Kettenregel ab, also äußere mal innere Ableitung: Die äußere Ableitung ist , die innere Ableitung von ist . Zusammen ergibt das . Also ist eine Stammfunktion von . Die Integration durch Substitution geht genau diesen Gedankengang rückwärts.
Die Idee: Ableitungsregeln rückwärts lesen
Für die Ableitung eines Produkts gibt es die Produktregel, für die Ableitung einer verketteten Funktion die Kettenregel. Beim Integrieren gibt es keine so einfachen Gegenstücke: Das Integral eines Produkts ist nicht das Produkt der Integrale. Stattdessen liest man die beiden Ableitungsregeln rückwärts:
- aus der Produktregel wird die partielle Integration,
- aus der Kettenregel wird die Integration durch Substitution.
Siehst du im Integral ein Produkt, frag dich also: Wird einer der Faktoren beim Ableiten einfacher? Siehst du eine verkettete Funktion, frag dich: Steht daneben, vielleicht bis auf einen konstanten Faktor, die Ableitung der inneren Funktion?
Integration durch Substitution: dieselbe Fläche in einer neuen Variablen
Geh die Animation mit den Schaltflächen oder den Pfeiltasten Schritt für Schritt durch. Gesucht ist die Fläche unter dem Graphen von zwischen und .
Fläche = ?
Gesucht ist die Fläche unter dem Graphen von x·e^(−x²) zwischen x = 0 und x = 2. Eine Stammfunktion sieht man nicht auf den ersten Blick, also substituieren wir.
Achte auf die Grenzen: Aus und sind und geworden, und auch der Graph des Integranden ist ein anderer. Der gesuchte Wert hat sich nicht geändert.
Partielle Integration: die Produktregel rückwärts
Aus der Produktregel folgt . Integriere beide Seiten und schreib als und als . So erhältst du die Formel der partiellen Integration:
Sie lohnt sich, wenn das Integral auf der rechten Seite einfacher ist als das, mit dem du angefangen hast. Oft findest du dieselbe Regel auch in dieser Form:
Probier es aus: die beiden Terme der Formel
Wähle eine Funktion und verschiebe die obere Grenze . Unter dem Regler stehen drei Zahlen: der erste Term der Formel, zwischen den Grenzen, der zweite Term, , und das Integral selbst. Das Integral ist immer die erste Zahl minus die zweite.
Unsere Wahl: u = x, dv = eˣ dx → du = dx, v = eˣ
- erster Term, [u·v] von a bis b
- 2,718
- zweiter Term, ∫ v du von a bis b
- 1,718
- das Integral: erster Term − zweiter Term
- 1
Achte dabei auf Folgendes:
- in allen drei Fällen ist der Faktor, der beim Ableiten einfacher wird: Die Ableitung von ist , die von ist ,
- ist der Rest des Integranden, und den müssen wir integrieren können,
- in ist gar kein Produkt zu sehen. Darum schreiben wir als und nehmen .
Wie wählt man und ?
Eine Regel, die immer funktioniert, gibt es nicht, wohl aber eine einfache Faustregel: Wähle so, dass nicht schwieriger ist als das ursprüngliche Integral. In der Praxis heißt das:
- als nimmst du den Faktor, der beim Ableiten einfacher wird, etwa oder ,
- als nimmst du einen Faktor, den du integrieren kannst.
Bei führt die Wahl , auf und . Das neue Integral ist dann nur noch . Wählst du umgekehrt und , erhältst du und das Integral - und das ist schwieriger als das ursprüngliche.
Bei nimmst du und . Dann ist und , und das zweite Integral ist . Das Ergebnis lautet .
Die beiden Regeln
Partielle Integration. Bei einem bestimmten Integral wertest du den ersten Term zwischen den Grenzen aus:
Integration durch Substitution. Ist , dann ist und
Warum gilt das? Sei eine Stammfunktion von . Nach der Kettenregel ist . Das Integral links ist also - und genau das ist das Integral von von bis .
Für die Grenzen eines bestimmten Integrals gibt es zwei Wege:
- Grenzen mitsubstituieren: Du rechnest sie in und um und bleibst bis zum Schluss bei - so wie in der Animation,
- Rücksubstitution: Du bestimmst zuerst eine Stammfunktion in , ersetzt wieder durch und setzt die ursprünglichen Grenzen und ein.
Vermische die beiden Wege nicht: Die alten Grenzen gehören zu , die neuen zu .
Beide Verfahren kehren Regeln des Ableitens um. Sie helfen dir, ein bestimmtes Integral zu berechnen, wenn die Stammfunktion nicht sofort zu sehen ist.
Beispiel 1: partielle Integration - das Integral von
Gesucht ist . Der Integrand ist mal eine Exponentialfunktion, also versuchen wir es mit der partiellen Integration.
Schritt 1. u und dv wählen
Der Faktor wird beim Ableiten einfacher, und lässt sich leicht integrieren.
Schritt 2. du und v bestimmen
Wir leiten ab und integrieren .
Schritt 3. In die Formel einsetzen
Der erste Term ist , davon ziehen wir das Integral von ab.
Schritt 4. Das restliche Integral lösen
Übrig bleibt das Integral von , und dessen Stammfunktion ist wieder .
Schritt 5. Die Grenzen einsetzen
Wir ziehen den Wert der Stammfunktion an der Stelle von ihrem Wert an der Stelle ab.
Antwort
. Die Fläche unter dem Graphen von zwischen und hat also genau den Inhalt .
Beispiel 2: Integration durch Substitution - das Integral von
Gesucht ist , also die Fläche aus der Animation.
Schritt 1. u wählen
Im Exponenten steht , und dessen Ableitung unterscheidet sich vom Faktor davor nur um einen konstanten Faktor.
Schritt 2. du bestimmen
Wir leiten ab und lösen nach auf, denn genau das steht im Integral.
Schritt 3. Die Grenzen umrechnen
Die alten Grenzen gehören zu , also rechnen wir sie in Werte von um.
Schritt 4. Das Integral umschreiben
Im neuen Integral kommen weder noch vor, nur noch .
Schritt 5. Integrieren und Grenzen einsetzen
Eine Stammfunktion von ist .
Antwort
- genau die Fläche, die in der Animation eingefärbt war.
Jetzt du
Berechne . Welchen Faktor wählst du als ?
Hinweisanzeigen
Nimm , denn wird beim Ableiten einfacher. Dann ist und .
Lösungversuch es zuerst selbst
Schritt 1. u und dv wählen
Der Faktor wird beim Ableiten einfacher, und lässt sich leicht integrieren.
Schritt 2. du und v bestimmen
Wir leiten ab und integrieren .
Schritt 3. In die Formel einsetzen
Den ersten Term werten wir zwischen den Grenzen aus.
Schritt 4. Den ersten Term berechnen
Setz die Grenzen in ein: Bei ist , der Term ist also . Bei ist er .
Schritt 5. Den zweiten Term berechnen
Das restliche Integral ist ein Grundintegral: Eine Stammfunktion von ist .
Antwort
. Die Fläche zwischen dem Graphen von und der -Achse von bis hat also den Inhalt .
Häufige Fehler
- Die alten Grenzen nach einer Substitution. Schreibst du , erhältst du statt . Die Grenzen und gehörten zu , nicht zu .
- Ein bleibt im Integral stehen. Nach der Substitution darf kein mehr übrig sein, auch kein . Lässt sich ein Faktor nicht wegkürzen, passt die Substitution wahrscheinlich nicht. Bei zum Beispiel klappt nicht, weil der Faktor fehlt.
- Ein verlorener konstanter Faktor. Aus folgt , nicht .
- Ein verlorenes Minus bei der partiellen Integration. Die Formel lautet . Dieses Minus geht leicht verloren, ebenso das Vorzeichen in selbst, etwa bei .
- Eine ungünstige Wahl von und . Wird das neue Integral schwieriger als das alte, tausch die Rollen. Hilft keine Aufteilung, passt das Verfahren für dieses Integral vielleicht einfach nicht.
Im Abitur und im Studium
Welche Integrationsverfahren du im Abitur beherrschen musst, legt jedes Bundesland in seinem Lehrplan fest. Die bundesweiten Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz nennen weder die partielle Integration noch die Integration durch Substitution. Sie verlangen, dass du Funktionen mithilfe von Stammfunktionen integrierst und den Hauptsatz anschaulich begründest.
In mehreren Bundesländern musst du von Hand nur die lineare Substitution können, also Integrale wie , bei denen die innere Funktion linear ist. So steht es im Bildungsplan von Baden-Württemberg, im Fachlehrplan von Sachsen-Anhalt und im sächsischen Lehrplan. Der Kernlehrplan von Nordrhein-Westfalen nennt keines der beiden Verfahren. Der bayerische Lehrplan für die 13. Jahrgangsstufe enthält fertige Regeln für Integranden der Form und . Das sind Sonderfälle der Substitution: Auch aus Beispiel 2 hat die zweite Form, bis auf den Faktor .
Pflicht sind die partielle Integration und die allgemeine Substitution in keinem dieser Länder. Das hessische Kerncurriculum nennt beide für den Leistungskurs, allerdings in einem Themenfeld, das nicht verbindlich ist. In Baden-Württemberg behandelt sie der Vertiefungskurs Mathematik, ein freiwilliger Kurs zur Vorbereitung auf das Studium. Ob die beiden Verfahren in deinem Kurs drankommen, weiß deine Lehrkraft.
Im Studium gehören beide Verfahren zum Standardstoff der Analysis. Manchmal braucht man die partielle Integration zweimal hintereinander, etwa bei . Und manche Funktionen, zum Beispiel , haben gar keine Stammfunktion, die sich mit elementaren Funktionen wie Potenzen, , oder aufschreiben lässt. Dort hilft keines der beiden Verfahren.
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Welche Ableitungsregel kehrt die Integration durch Substitution um?
Bei wählst du und . Was ist ?
Du berechnest mit . Welche Grenzen hat das neue Integral?
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Antwort
Welche Ableitungsregel kehrt die partielle Integration um?
Die Produktregel, .Welche Ableitungsregel kehrt die Integration durch Substitution um?
Die Kettenregel.Wie lautet die Formel der partiellen Integration?
Was wird aus einem bestimmten Integral nach der Substitution ?
Was passiert bei der Substitution mit den Grenzen?
Du rechnest sie in um: und . Oder du behältst die alten Grenzen und kehrst am Ende zu zurück - aber vermische die beiden Wege nicht.Wie wählt man und bei der partiellen Integration?
So, dass nicht schwieriger ist als das ursprüngliche Integral. wird beim Ableiten einfacher (wie oder ), und kannst du integrieren.Was ergibt ?
Was ergibt ?
, mit und .Wie groß ist ?
, mit und den neuen Grenzen und .
Quellen
Die Fakten auf dieser Seite haben wir anhand dieser Quellen geprüft. Alle dürfen frei weiterverwendet werden: Sie stehen unter einer offenen Lizenz oder sind urheberrechtlich nicht geschützt.
- Mathe für Nicht-Freaks - Partielle Integration (Herleitung aus der Produktregel, x·eˣ, x·sin x von 0 bis π, ln x, zweimal partiell integrieren) · CC BY-SA 4.0
- Mathe für Nicht-Freaks - Substitutionsregel für Integrale (Herleitung aus der Kettenregel, neue Grenzen, x·e^(−x²)) · CC BY-SA 4.0
- Serlo - Integration durch Substitution (zwei Wege für die Grenzen: mitsubstituieren oder resubstituieren) · CC BY-SA 4.0
- Serlo - Partielle Integration (Formel aus der Produktregel, wann sie sich lohnt, ln x als 1 · ln x) · CC BY-SA 4.0
- Bildungsplan 2016 Baden-Württemberg, Gymnasium Mathematik - 3.4.1 Klassen 11/12, Leistungsfach (Stammfunktionen mit Potenz-, Faktor- und Summenregel sowie linearer Substitution) · amtliches Werk
- Fachlehrplan Gymnasium Mathematik Sachsen-Anhalt, Stand 01.08.2022 (Integrationsregeln im erhöhten Anforderungsniveau: Integration durch lineare Substitution) · CC BY-SA 3.0
- Active Calculus (Matthew Boelkins) - 5.3 Integration by Substitution (auf Englisch: Kettenregel rückwärts, du, Grenzen umrechnen, warum e^(x²) so nicht geht) · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Partielle Integration · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Integration durch Substitution · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Kettenregel · CC BY-SA 4.0
- Wikipedia - Elementare Funktion (exp(x²) hat keine elementare Stammfunktion) · CC BY-SA 4.0